Rebekka
Rebekka hätte gerne ein Kind. Als sie vor Jahren auf ihrem Inklusionsblog über ihren Kinderwunsch schrieb, war sie jedoch nicht darauf vorbereitet, wie viele ungefragte Meinungen sie erreichen würden. Neben ermutigenden Nachrichten bekam sie vor allem eines zu hören: dass sie als Frau mit Behinderung egoistisch sei, wenn sie Mutter werden wolle. „Es gibt genügend Leid auf dieser Welt, man muss es nicht noch reproduzieren“, schrieb ihr jemand. Eine andere Person meinte sogar: „Behinderte Personen sollten gar keine Kinder kriegen DÜRFEN!“
Es waren Aussagen von Menschen ohne Behinderung, die wenig über die Lebensrealität behinderter Menschen wussten, aber umso mehr darüber zu urteilen hatten. Auch im medizinischen Umfeld machte Rebekka Erfahrungen, die sie bis heute beschäftigen. Beim Erstgespräch fragte ihr Gynäkologe: „Wollen Sie einen Bub oder ein Mäderl?“ Rebekka antwortete: „Ich entscheide mich für ein KIND, nicht für ein Geschlecht.“ Daraufhin meinte der Arzt: „Richtig, Hauptsache gesund.“ Rebekka stellte klar: „Und wenn nicht? Es ist trotzdem MEIN Kind und wird deshalb nicht weniger geliebt.“ Der Arzt entschuldigte sich daraufhin beschämt.
Auch in der Humangenetik wurde Rebekka mit der Frage konfrontiert, welchen Wert ein Leben mit Behinderung hat. Sie wurde über die Vererbbarkeit von Glasknochen aufgeklärt und darüber, dass die Erkrankung bereits im Mutterleib festgestellt werden kann. Sollte ihr Kind ebenfalls Glasknochen haben, wurde ihr erklärt, dass auch eine späte Abtreibung noch möglich sei. „Kurzum: Ein Kind wie mich könne man auch sehr spät noch abtreiben.“ Für Rebekka wirft das eine grundlegende Frage auf: Warum wird über das Leben von Menschen mit Behinderung so abwertend gesprochen?
Besonders erschreckend findet sie, wenn ableistische Vorstellungen auch im medizinischen Umfeld reproduziert werden. Für Rebekka darf eine Behinderung nicht darüber entscheiden, ob ein Leben als weniger wertvoll betrachtet wird. Und auch ihre eigene Vorstellung von Familie wird häufig hinterfragt. Weil sie in einer lesbischen Beziehung lebt, wird automatisch angenommen, dass ihre Partnerin das Kind austragen werde. Dass Rebekka selbst Mutter werden möchte, wird ihr dabei oft gar nicht zugestanden.
Rebekka möchte deshalb sichtbar machen, dass Frauen mit Behinderungen dieselben Wünsche und Lebenspläne haben dürfen wie alle anderen. „Unsere Lebenspläne sind nicht weniger wert. Mutter zu werden, darf kein Privileg nicht-behinderter Frauen sein.“ Für sie ist klar: „Der Kinderwunsch von Frauen* mit Behinderungen ist genauso legitim.“**
Fotografie: © Karolina Horner – Kalinka Photography
Projekt: Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich
Gefördert durch die Sozialversicherung / ÖKUSS

