Familie Muna Duzdar & Sohn
Die Nationalratsabgeordnete und Anwältin Muna Duzdar ist Pflegemutter eines dreijährigen Buben. Ihr Kinderwunsch wurde nach dem Tod ihres Vaters besonders stark. „Ich war damals 40 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt schien mir eine leibliche Geburt ohne Komplikationen schon sehr schwierig. Der Gedanke, ein Pflegekind aufzunehmen, gab mir aber große Hoffnung.“
2019 begann sie den neun Monate dauernden Pflegeelternkurs und setzte sich intensiv mit den Herausforderungen einer Pflegemutterschaft auseinander. Die meisten Pflegekinder bleiben während ihrer gesamten Kindheit bei ihren Pflegeeltern. Als Muna Duzdar 2020 begann, ihre Anwaltskanzlei wieder als selbstständige Anwältin aufzubauen, musste sie den Gedanken an ein Pflegekind zunächst wieder zurückstellen. “Es beschäftigte mich sehr, wie ich Kanzlei und Kind als Alleinerziehende überhaupt miteinander vereinbaren könnte”, so Muna. Doch der Kinderwunsch blieb. In den folgenden Jahren wurde er immer stärker. Inzwischen war Muna Duzdar 44 Jahre alt. Eine Bekannte aus ihrem Jahrgang, die als Alleinerziehende ein Pflegekind aufgenommen hatte, ermutigte sie schließlich, diesen Weg erneut zu versuchen. Im September 2023 wandte sie sich wieder an die MA 11, die Wiener Kinder- und Jugendhilfe.
Wenige Monate später erhielt sie den entscheidenden Anruf: Ein gerade erst geborener Bub brauchte ein Zuhause. Kurz darauf hielt Muna Duzdar ihn zum ersten Mal im Arm. „Ich war einfach nur überwältigt.“
Von Anfang an war ihr wichtig, dass ihr Pflegekind seine eigene Geschichte und Herkunft behalten darf. Der Bub stammt aus Rumänien, Muna Duzdar selbst hat palästinensische Wurzeln. Für sie bedeutet Pflegemutterschaft deshalb nicht, ein Kind für sich zu beanspruchen. Sie möchte ihrem Sohn Sicherheit und Geborgenheit geben und gleichzeitig seine Verbindung zu seiner Herkunft und seiner leiblichen Familie respektieren. „Er muss nicht mir allein gehören“, sagt sie.
2023 kehrte Muna Duzdar als Abgeordnete in den österreichischen Nationalrat zurück – mit ihrem damals drei Monate alten Pflegekind auf dem Arm.
Ihre Geschichte zeigt: Familie kann auf vielen Wegen entstehen. Menschen bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu unterstützen bedeutet daher nicht nur, medizinische Möglichkeiten auszubauen. Es bedeutet auch, unterschiedliche Wege zur Elternschaft anzuerkennen und Menschen dabei zu unterstützen, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen.
Fotografie: © Karolina Horner – Kalinka Photography
Projekt: Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich
Gefördert durch die Sozialversicherung / ÖKUSS

