Familie ohne Name

1 von 6 Menschen ist unfruchtbar. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Tabu. Die Schwangerschaftsrate pro Transfer bei einer IVF liegt in Österreich bei 34,3 %. Viele Paare bleiben aber kinderlos – trotz zahlreicher IVF-Versuche. In einer großen britischen Studie lag die kumulative Lebendgeburtenrate nach sechs IVF-Zyklen bei etwa 65 % – daher blieben ca.  35 % ohne Lebendgeburt. 

Eine Kinderwunschbehandlung ist kein geradliniger Weg zum Wunschkind, sondern für viele Betroffene ein langer, belastender Prozess, der medizinische, finanzielle und psychosoziale Unterstützung erfordert. 

In einer Umfrage von Fertility Network UK gaben fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) an, dass sie während der Fruchtbarkeitsbehandlungen unter Depressionen litten. 83 Prozent berichteten, dass sie sich oft besorgt, frustriert und traurig fühlten. Kinderwunschpaare leiden häufiger an Ängstlichkeit, Depressionen, Isolation, Ärger und Frustration. Nach einer erfolglosen Behandlung nehmen diese Probleme an Häufigkeit und Intensität deutlich zu.

Kinderwunsch wird in Österreich nicht als Krankheit angesehen. Für den operativen Eingriff im Zuge der IVF müssen sich Frauen rechtlich  einen Urlaubstag nehmen. Die ständigen Arbeitsbesuche sind kaum mit dem Alltag zu vereinbaren. Viele der Frauen in unserer Selbsthilfegruppe gehen schon für die Behandlungen in Teilzeit. Sie schaffen es nicht, die vielen Arzttermine mit einem 40 Stunden Job zu verbinden. Manche können auch keinem Vollzeitjob mehr nachgehen, der sie tagtäglich mit ihrer eigenen Kinderlosigkeit konfrontiert, zum Beispiel als Kindergartenpädagogin oder als Volksschullehrerin.

Diese Last des Kinderwunsches bleiben weitgeheend unsichtbar. 

Fotografie: © Karolina Horner – Kalinka Photography
Projekt: Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich
Gefördert durch die Sozialversicherung / ÖKUSS