Unsere Forderungen für mehr reproduktive Gerechtigkeit

Kategorie(n):
18/06/2024
  • Anerkennung des Krankheitsbildes Unfruchtbarkeit (lt. Definition der WHO) und Ausweitung der Förderung von Behandlungen über den IVF-Fonds
  • Kostenlose bzw. kostengünstige psychotherapeutische Begleitung im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen
  • Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle mit Schwerpunkt Kinderwunsch und Endometriose
  • Anhebung der Altersgrenze für IVF-Fonds Behandlungen auf 42 Jahre
  • Zusätzliche Förderung von Inseminationen
  • Integration des Themas „Fruchtbarkeit“ in Vorsorgeuntersuchungen & Aufklärungskampagne zum Thema Unfruchtbarkeit
  • Zugang zur assistierten Befruchtung für alleinstehende Frauen in Österreich
  • Legalisierung der Embryonenspende
  • Legalisierung von Social Freezing
  • Einheitliche Regelung für die Übernahme der Kosten für medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch
  • Einführung eines Gesamt-Registers bzw. Statistiken zu Kinderwunschbehandlungen in Österreich
  • Schaffung von medizinischen Leitlinien für die Behandlung im Rahmen assistierter Befruchtung

1. Anerkennung des Krankheitsbildes Unfruchtbarkeit (lt. Definition der WHO) und Ausweitung der Förderung von Behandlungen über den IVF-Fonds

Laut Definition der WHO ist Unfruchtbarkeit an sich eine “Krankheit des männlichen oder weiblichen Fortpflanzungssystems, die dadurch definiert ist, dass nach zwölf Monaten oder mehr regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt.” In Österreich ist Unfruchtbarkeit nicht als Krankheitsbild anerkannt.

Der IVF-Fonds fördert derzeit Behandlungen nur, wenn bestimmte Krankheitsbilder (lt. IVF-Fonds-Gesetz, §4 Anspruchsvoraussetzungen) vorliegen. Oftmals wird das Spermiogramm als medizinische Indikation für die Förderung durch den IVF-Fonds herangezogen. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren besteht diese Möglichkeit nicht, da eine Samenspende notwendig ist (sofern nicht bei einer der beiden Frauen ein Krankheitsbild lt. IVF-Fonds Gesetz vorliegt).

Unter der Annahme, dass eine IVF-Behandlung immer der letzte Weg ist, fordern wir den Wegfall der Krankheitsbilder lt. IVF-Fonds Gesetz als Anspruchsvoraussetzung für die Förderung einer Behandlung durch den IVF-Fonds. Eine Förderung durch den IVF-Fonds soll ermöglicht werden, wenn Unfruchtbarkeit lt. WHO-Definition vorliegt. Für homosexuelle Partner*innen mit Kinderwunsch sollte eine vergleichbare, diskriminierungsfreie Regelung gefunden werden. Denn wenn die Voraussetzung eines Krankheitsbildes wegfällt, werden auch derzeit vorhandene indirekte Diskriminierungen von LGBTIQ* Paaren abgebaut.
Unfruchtbarkeit soll als Krankheitsbild in Österreich anerkannt werden.


2. Kostenlose bzw. kostengünstige psychotherapeutische Begleitung im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen

Unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten stellen außergewöhnliche psychische Belastungen dar und bedürfen in vielen Fällen einer therapeutischen Betreuung. Vor allem Medikamente, die im Rahmen einer assistieren Befruchtung notwendig sind, haben oft Depressionen als Nebenwirkung.

Gemäß Fortpflanzungsmedizingesetz haben Ärzt*innen im Rahmen einer IVF-Behandlung “eine psychotherapeutische Betreuung vorzuschlagen und sie auf die Möglichkeit hinzuweisen, andere unabhängige Beratungseinrichtungen zu konsultieren.” 

Umso wichtiger ist es, dass eine kostengünstige bzw. kostenfreie therapeutische Begleitung in die Behandlung integriert wird. 

Wir fordern eine kostengünstige psychotherapeutische Begleitung bei Kinderwunschbehandlungen, wie z.B. durch eine kostenfreie Einheit im Rahmen einer IVF-Stimulation.


3. Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle mit Schwerpunkt Kinderwunsch und Endometriose

Derzeit existieren zwar Familienberatungsstellen zu verschiedensten Themen, die das Familienleben betreffen, aber keine speziell zum Thema Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit. Patient*innen sind auf die einzelnen, meist privaten Kinderwunschzentren angewiesen oder müssen Beratungen in Eltern-Kind-Zentren in Anspruch nehmen, wo sie zwischen Kinderwägen und schreienden Babys über ihren unerfüllten Kinderwunsch sprechen sollen.

Das Fortpflanzungsmedizingesetz § 7 (2) sieht für die psychologische Beratung oder psychotherapeutische Betreuung auch "andere unabhängige Beratungseinrichtungen" vor. Es ist jedoch unklar, welche das (außer den erwähnten Eltern-Kind-Zentren) sein sollten.

Wir fordern daher die Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle mit Schwerpunkt Kinderwunsch. Die Beratung sollte auch Thema Endometriose umfassen, da diese Themen oft miteinander verbunden sind besondere Sensibilität für das Thema bzw. für die Betroffenen erfordern.


4. Anhebung der Altersgrenze für IVF-Fonds Behandlungen auf 42 Jahre

IVF-Behandlungen werden durch den IVF-Fonds derzeit bei Frauen nur bis zum Alter von 40 gefördert. Diese künstlich gezogene Grenze ist medizinisch nicht nachvollziehbar. Auch die Volksanwaltschaft hat in der Vergangenheit bereits die Anhebung dieser Altersgrenze gefordert.

Wir fordern daher eine Anhebung der Altersgrenze als Anspruchsvoraussetzung für die Förderung einer Behandlung durch den IVF-Fonds bei Frauen auf 42 Jahre.


5. Zusätzliche Förderung von Inseminationen

Bei einer inauterinen Insemination handelt es sich um eine assistierte Befruchtung, die für die Frauen wesentlich weniger invasiv ist als eine IVF-Behandlung. Es ist unverständlich, warum lediglich die IVF, die einen operativen Eingriff erfordert, über den IVF-Fonds vom Staat finanziert wird. Eine Förderung von Inseminationen ermöglicht auch einen diskriminierungsfreien Zugang zur Reproduktionsmedizin für lesbische Paare. 

Wir fordern daher die öffentliche Unterstützung von Inseminationen ähnlich der Förderung durch den IVF-Fonds.


6. Integration des Themas „Fruchtbarkeit“ in Vorsorgeuntersuchungen & Aufklärungskampagne zum Thema Unfruchtbarkeit

Derzeit wird das Thema Fruchtbarkeit kaum in Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen erwähnt. Auch generelle Aufklärung über (Un-)Fruchtbarkeit bei Mann und Frau findet kaum bis gar nicht statt.

Wir fordern, dass das Thema Fruchtbarkeit systematisch in Vorsorgeuntersuchungen integriert wird und das Bewusstsein sowohl in der Bevölkerung als auch bei Ärzt*innen, Gynäkolog*innen geschärft werden soll. Gleichzeitig muss auch die Aufklärung über Krankheiten und Risiken, die den Kinderwunsch betreffen, verstärkt werden (z.B. erhöhte Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten/kleine Geburten). Dies soll auch großflächig an Schulen und Universitäten erfolgen.


7. Zugang zur assistierten Befruchtung für alleinstehende Frauen in Österreich

In Österreich ist es alleinstehenden Frauen verboten, eine assistierte Befruchtung in Anspruch zu nehmen. Da Nachbarstaaten wie Deutschland oder Tschechien dies sehr wohl ermöglichen, müssen diese Frauen ins EU-Ausland ausweichen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Wir fordern, alleinstehenden Frauen die künstliche Befruchtung auch in Österreich zu ermöglichen.


8. Legalisierung der Embryonenspende

Als letzte Chance für ein Kind sehen viele Paare eine Embryonenspende an. Da diese in Österreich gesetzlich nicht erlaubt ist, müssen diese Paare für eine Embryonenspende in andere Länder ausweichen.
Wir fordern eine Legalisierung der Embryonenspende in Österreich.


9. Legalisierung von Social Freezing

Das Einfrieren von Eizellen ist in Österreich derzeit nur erlaubt, wenn bestimmte medizinische Gründe vorliegen. 

Wir fordern, dass das Einfrieren von Eizellen soll in Österreich auch aus sozialen Gründen möglich ist.


10. Einheitliche Regelung für die Übernahme der Kosten für medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch

Behandlungen wie z.B. mit Immunglobulinen (zB IG Vena) werden derzeit je nach Krankenkasse bzw. je nach Bundesland unterschiedlich finanziert.

Wir fordern eine einheitliche Übernahme der Kosten für medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch österreichweit einheitlich durch die Krankenkassen.


11. Einführung eines Gesamt-Registers bzw. Statistiken zu Kinderwunschbehandlungen in Österreich

Derzeit existiert in Österreich kein einheitliches Register für IVF-Behandlungen. (www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/AB/13388).  Zum Beispiel scheinen IVF-Behandlungen, die privat bezahlt werden, in keinem Register auf – nur jene, die über den IVF-Fonds gefördert werden.

Als Verein ist es uns ein Anliegen, dass Daten zur Förderung und Durchführung von künstlicher Befruchtung einheitlich und sinnvoll erfasst werden.

Wir fordern die Einführung eines umfangreichen Gesamt-Registers inkl. Statistiken zur Kinderwunschbehandlung in Österreich sowie deren regelmäßige Veröffentlichungen.


12. Schaffung von medizinischen Leitlinien für die Behandlung im Rahmen assistierter Befruchtung

Für die Behandlung im Rahmen künstlicher Befruchtungen existieren derzeit keine medizinischen Standards und Leitlinien.

Wir fordern medizinische Leitlinien, um einheitliche Standards zu gewährleisten.

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